Cover: Warum der Himmel gewölbt ist

Philippinen

Warum der Himmel gewölbt ist

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Philippinen
Alter
4–8 Jahre
Dauer
5 Min.
Audioversion

Märchen anhören

Warum der Himmel gewölbt ist

Wenn man abends ins Freie tritt, den Kopf hebt und weit hinaufschaut, erscheint der Himmel wie eine riesige blaue oder sternenbesäte Kuppel. Er spannt sich über Städte, Meere, Wälder und Berge wie ein gewaltiges Dach ohne eine einzige Stütze. Aber warum ist dieses Himmelsdach nicht flach? Warum erscheint es gewölbt? Eine alte philippinische Geschichte gibt darauf diese Antwort. Früher war der Himmel ganz anders. Er lag tiefer und war eben wie eine riesige blaue Zimmerdecke. Über ihm befand sich ein helles Himmelshaus, in dem es immer ruhig und geräumig war. Die Jahre vergingen, und immer mehr helle Gäste kamen in das Himmelshaus. Anfangs war für alle Platz. „Kommt herein, kommt herein“, sagten die Engel. „Hier ist viel Raum.“ Doch es kamen noch mehr Gäste. Einige setzten sich an die silbernen Wolken, andere versammelten sich bei den Sternengärten, und wieder andere wollten die Himmelsmusik hören. Bald sagte jemand: „Rücken wir ein wenig zusammen.“ Dann fügte ein anderer hinzu: „Noch ein kleines Stück.“ Und schließlich mussten alle zusammenrücken. Im Himmelshaus drängten sich so viele Gäste, dass sich der Himmel langsam nach unten durchzubiegen begann. Zuerst fast unmerklich. Dann noch ein bisschen. Eines Tages ertönte ein seltsames Geräusch: Krrr-knack ... Als wäre irgendwo weit entfernt ein altes Brett gesprungen. Der Himmelsherrscher hob den Kopf. „Was war das?“ Die Engel lauschten. Krrr-knack ... „Der Himmel senkt sich!“, rief einer. Tatsächlich war die große Himmelsdecke tiefer gesunken, als sie sollte. Wenn man sie nicht stützte, konnte sie noch mehr Schaden nehmen. Da rief der Himmelsherrscher fünf Engel. Der erste war schnell. Der zweite war stark. Der dritte war geduldig. Der vierte konnte einen ganzen Tag lang still stehen. Und der fünfte war der größte von allen. „Fliegt zur Erde“, sagte der Herrscher. „Stellt euch an verschiedene Orte und stützt den Himmel, bis die Handwerker ihn repariert haben.“ Die fünf Engel flogen hinunter. „Ich stelle mich hierhin!“, sagte der erste. „Und ich hierhin!“, antwortete der zweite. „Ich halte diesen Rand“, sagte der dritte. „Und ich den gegenüberliegenden“, entschied der vierte. Der größte Engel schaute sich um und bemerkte, dass die Mitte noch keine Stütze hatte. „Dann ist mein Platz in der Mitte.“ Sie richteten sich auf, hoben die Köpfe und stützten vorsichtig den Himmel. „Seid ihr bereit?“, fragte der größte. „Bereit!“ „Halten wir ihn gemeinsam!“ Unterdessen eilten oben schon die Himmelshandwerker herbei. Sie brachten goldene Hämmerchen, silberne Klammern, lange leichte Leitern und Rollen mit Fäden, die so fein waren wie das Licht der Morgendämmerung. Klopf, klopf. Kling, kling. Raschel, raschel. Die Handwerker verstärkten die schwachen Stellen, richteten die Ränder aus und flickten selbst die kleinsten Risse. Es gab viel zu tun. Die fünf Engel unten standen unbeweglich. Die Zeit verging. „Wie geht es euch dort unten?“, rief ein Handwerker. „Wir halten!“, antworteten vier. Der größte Engel lächelte nur. Sein Kopf hob die Mitte des Himmels höher, als die Köpfe der anderen Engel die Ränder hoben. Als die Reparatur endlich fertig war, sagten die Handwerker: „Ihr könnt loslassen.“ Ganz vorsichtig senkten die Engel ihre Hände und traten zur Seite. Alle schauten hinauf. Der Himmel war fest. Es gab keine Risse mehr. Aber so eben wie früher wurde er nicht. In der Mitte, wo der größte Engel gestanden hatte, war er am höchsten. Zu den Rändern hin blieb er niedriger. So entstand der große Himmelsbogen. „Sollen wir das ändern?“, fragte ein Handwerker. Der Himmelsherrscher betrachtete die neue Form und schüttelte den Kopf. „Nein. So ist es sogar besser. Jetzt hat der Himmel mehr Platz.“ Seitdem steht der alten Geschichte zufolge eine hohe, gewölbte Himmelskuppel über der Erde. Wenn es am Abend so aussieht, als wären die Sterne über eine riesige runde Decke verstreut, kann man sich die fünf Engel vorstellen, die den Himmel einst gemeinsam retteten. Der größte von ihnen stand genau in der Mitte und gab ihm dabei unabsichtlich die Form, die wir heute noch sehen.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨