

Philippinen
Warum die Ameise nicht so giftig ist wie die Schlange
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Philippinen
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Warum die Ameise nicht so giftig ist wie die Schlange
Eine alte philippinische Geschichte erzählt, dass die Tiere am Anfang der Welt noch nicht wussten, welche Fähigkeiten sie einmal haben würden.
Die Vögel staunten über ihre Flügel.
Die Fische lernten erst, mit dem Schwanz zu steuern.
Die Schildkröten fragten sich, ob es wirklich praktisch sei, ständig das eigene Haus auf dem Rücken zu tragen.
Und die kleine Ameise lief überall herum und wollte unbedingt wissen, welche Geschenke die anderen bekamen.
Eines Tages ging die Schlange zum Schöpfer.
„Warum bist du gekommen?“
Die Schlange neigte den Kopf.
„Ich bin klein im Vergleich zu vielen Tieren. Ich habe weder Hörner noch einen Panzer noch Flügel. Gib mir bitte eine Möglichkeit, mich zu schützen, wenn jemand auf mich tritt oder mich greifen will.“
Der Schöpfer dachte nach.
„Gut. Du bekommst eine starke Verteidigung. Aber merke dir: Stärke heißt nicht, dass man sie ohne Grund benutzen soll. Weiche zuerst aus. Warne. Und nur wenn die Gefahr wirklich besteht, verteidige dich.“
Die Schlange hörte aufmerksam zu.
„Ich merke es mir.“
Als sie zurückkehrte, wartete die Ameise schon.
„Nun? Was hast du bekommen?“
„Eine besondere Verteidigung. Aber auch Regeln dazu.“
„Eine Verteidigung! So etwas will ich auch.“
„Hör erst die Regeln...“
Doch die Ameise war schon unterwegs.
Tipp-tipp-tipp über Steine.
Unter Blätter.
Über Wurzeln.
„Warte!“, rief die Schlange.
Die Ameise hörte nicht.
Sie erreichte den Schöpfer völlig außer Atem.
„Ich will auch eine besondere Kraft!“
„Welche?“
„Die gleiche wie die Schlange. Ich bin noch kleiner als sie. Wenn sie Schutz braucht, brauche ich ihn erst recht.“
Der Schöpfer betrachtete die winzige Besucherin.
„Dein Gedanke ist nicht falsch. Kleine Wesen brauchen ebenfalls Schutz.“
Er gab der Ameise einen kleinen Teil dieser Kraft.
„Jetzt hör genau zu, wie man damit umgeht...“
Doch die Ameise war vor Freude schon wieder halb unterwegs.
„Ich habe eine Kraft! Ich habe eine Kraft!“
„Ameise, komm zurück!“
Zu spät.
Sie wollte allen sofort zeigen, was sie konnte.
Als Ersten traf sie einen Käfer.
„Sieh, was ich jetzt habe!“
„Was denn?“
„Eine besondere Kraft.“
„Wozu brauchst du sie?“
Die Ameise öffnete den Mund.
Dann merkte sie, dass sie es gar nicht wusste.
„Nun... damit alle Angst vor mir haben?“
Der Käfer schüttelte den Kopf.
„Merkwürdig. Ich dachte, Kraft sei zum Helfen oder zum Schutz da.“
Die Ameise lief weiter.
Dann begegnete sie einem Schmetterling.
„Ich habe eine neue Kraft!“
„Schön. Welche Regeln gelten dafür?“
„Welche Regeln?“
„Für jede wichtige Fähigkeit gibt es Regeln. Meine Flügel helfen mir zu fliegen, aber ich fliege nicht mitten in einen Sturm.“
Die Ameise blieb stehen.
„Die Schlange hat auch etwas von Regeln gesagt...“
Da hörte sie eine Stimme von oben.
„Ameise.“
Sie erstarrte.
„Oh.“
Der Schöpfer rief sie zurück.
Diesmal kam sie langsamer.
„Warum bist du davongelaufen, bevor ich fertig war?“
„Ich war so froh. Ich wollte die Kraft sofort ausprobieren.“
„Genau deshalb ist eine sehr starke Verteidigung für dich noch nicht geeignet. Wer etwas benutzt, bevor er seine Verantwortung verstanden hat, kann viel Unordnung verursachen.“
Die Ameise senkte die Fühler.
„Nimmst du sie mir ganz weg?“
„Nein. In einem Punkt hattest du recht. Auch kleine Wesen brauchen Schutz. Aber deine Kraft wird viel schwächer sein. Stark genug, um zu sagen: Vorsicht, ich bin hier. Aber nicht so stark, dass alle um dich herum Angst haben müssen.“
Die Ameise dachte nach.
„Das ist fair.“
Als sie zur Erde zurückkam, wartete die Schlange unter einem warmen Stein.
„Willst du jetzt die Regeln hören?“
„Alle. Und wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich noch einmal nach.“
Seitdem, so erzählt die alte Geschichte, blieb die Verteidigung der Schlange stark, während die der Ameise viel schwächer wurde.
Und wenn eine kleine Ameise sich bedrängt fühlt, kann sie beißen, als würde sie sagen:
„He! Ich bin klein, aber man sollte trotzdem auf mich achten.“
Die Erzähler fügten oft hinzu:
Eine Kraft zu bekommen ist nur die Hälfte der Sache.
Die andere Hälfte ist, zu lernen, vernünftig damit umzugehen.
Denn genaues Zuhören kann manchmal wichtiger sein als Schnelligkeit.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
