

Philippinen
Warum die Kuh lose Haut am Hals hat
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Philippinen
- Alter
- 4–8 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

Märchen anhören
Warum die Kuh lose Haut am Hals hat
In alten Zeiten, als Tiere in Geschichten noch miteinander sprachen, lebte ein armer Bauer.
Sein wertvollster Besitz waren zwei fleißige Tiere:
eine Kuh und ein Karabao, ein großer Wasserbüffel.
Jeden Morgen spannte der Bauer beide vor den Pflug.
Der Boden war schwer.
Die Sonne heiß.
Und die Arbeit schien jeden Tag mehr zu werden.
„Noch eine Furche“, sagte der Bauer.
Sie zogen eine.
„Noch eine.“
Sie zogen eine zweite.
„Jetzt wirklich die letzte.“
Doch nach der letzten kam oft noch eine.
Der Karabao war stark und still.
Er ging Schritt für Schritt und zog geduldig den Pflug.
Auch die Kuh arbeitete fleißig.
Eines Tages hatte sie genug.
„Wir brauchen eine Pause“, sagte sie. „Nur ein wenig. Und ich möchte baden. Sieh nur, wie viel Staub auf uns liegt.“
Der Bauer wollte das Feld noch vor Abend fertigstellen.
„Später. Erst die Arbeit.“
Am nächsten Tag war es genauso.
Dann wieder.
Am Abend flüsterte die Kuh dem Karabao zu:
„So geht es nicht. Wenn wir selbst nicht auf Erholung achten, schenkt sie uns niemand. Lass uns einen Ort suchen, an dem wir in Ruhe grasen und im Fluss baden können.“
Der Karabao bewegte seine großen Ohren.
„Ich habe dasselbe gedacht. Ich hatte nur Angst, du würdest nicht mitkommen.“
„Dann ist es beschlossen.“
Als es auf dem Hof still geworden war, gingen beide hinaus und folgten einem Pfad weg von den großen Straßen.
Zuerst waren sie fröhlich.
„Sieh nur, wie viel Gras!“
„Und dort ist Schatten.“
Nach langem Weg wurden ihre Beine schwer.
Staub bedeckte sie noch stärker.
Da hörten sie Wasser.
Rausch.
Platsch.
Hinter dem Schilf floss ein breiter klarer Fluss.
Die Kuh machte fast einen kleinen Sprung.
„Baden!“
Der Karabao sah zurück.
„Vielleicht sollten wir noch etwas weitergehen. Der Bauer hat sicher schon bemerkt, dass wir weg sind.“
„Wir sind weit genug. Und das Wasser sieht herrlich aus. Nur kurz.“
In alten Geschichten können Tiere manchmal ihre Haut ablegen wie Kleidung.
Also legten Kuh und Karabao ihre „Mäntel“ ordentlich am Ufer ab und gingen ins Wasser.
„Was für ein Leben!“, seufzte die Kuh.
Der Karabao tauchte bis zum Hals ein und blubberte zufrieden.
„Das hätten wir früher machen sollen.“
Sie planschten.
Spritzten einander nass.
Und vergaßen die Zeit.
Plötzlich stellte der Karabao die Ohren auf.
„Hörst du das?“
Weit entfernt knackte ein Zweig.
Dann kamen Schritte.
Und schließlich eine vertraute Stimme:
„Kuh! Karabao!“
Der Bauer ging am Ufer entlang.
In der Hand hielt er einen langen Stock, mit dem er normalerweise Gras zur Seite schob und den Weg prüfte.
„Er hat uns gefunden!“, rief die Kuh.
„Schnell anziehen!“
Beide sprangen aus dem Wasser.
Das Wasser lief in Strömen von ihnen herunter.
Am Ufer lagen zwei ähnliche Bündel.
In der Eile achtete niemand darauf, wem welches gehörte.
Der Karabao griff das erste.
Die Kuh das zweite.
Und schon hatten beide ihre „Kleidung“ wieder an.
„Los!“
Sie rannten so schnell sie konnten.
Der Bauer versuchte ihnen zu folgen.
Doch auch er war müde.
Schließlich blieb er stehen.
„Ihr zwei seid wirklich stur“, murmelte er. „Vielleicht habe ich euch tatsächlich zu viel arbeiten lassen.“
Die Kuh und der Karabao erreichten inzwischen eine grüne Wiese weit entfernt vom Hof.
Sie hielten an.
„Ich glaube, wir sind weit genug.“
Die Kuh nickte.
Dann kratzte sie ihren Hals an einem Baum.
„Irgendetwas stimmt nicht.“
Auch der Karabao bewegte unbehaglich die Schultern.
„Bei mir ist alles so eng.“
Sie sahen einander an.
Dann wurden die Augen der Kuh groß.
„Ich trage deine Haut!“
„Und ich deine!“
Beide begannen so laut zu lachen, dass Vögel aus dem Gras aufflogen.
Der Karabao war größer als die Kuh.
Darum saß die Kuhhaut bei ihm besonders am Hals zu straff.
Die Haut des Karabao war für die Kuh dagegen zu weit und lag in weichen Falten um ihren Hals.
„Wir sollten zurücktauschen“, sagte die Kuh.
Doch sie waren schon weit vom Fluss entfernt.
Vor ihnen lagen neue Wege.
Sie verschoben den Tausch.
Erst wollten sie einen Schlafplatz finden.
Dann eine gute Weide.
Dann mussten sie über Hügel.
Mit der Zeit gewöhnten sie sich an ihr neues Aussehen.
Die alte philippinische Geschichte erklärt so, warum die Kuh am Hals lockere Haut trägt, fast wie einen zu großen Kragen, während die Haut des Karabao enger sitzt.
Ist das wirklich so passiert?
Natürlich nicht.
Es ist eine alte märchenhafte Antwort auf ein kindliches Warum.
Aber wenn man eine Kuh und einen Karabao betrachtet, kann man sich vorstellen, wie zwei müde Freunde aus einem kühlen Fluss sprangen, in der Eile ihre magischen Mäntel verwechselten und damit in ein neues Leben davonrannten.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
