

Philippinen
Warum Hähne miteinander kämpfen
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Philippinen
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Warum Hähne miteinander kämpfen
Eine alte philippinische Geschichte erzählt von einem Königreich, in dem alle Feste liebten.
Im Palast klingelten kleine Glocken.
In den Gärten leuchteten Lampions.
In der Küche roch es nach Reis und süßen Früchten.
Fast jeden Tag spielte irgendwo Musik.
Der König und die Königin hatten alles, was sie brauchten.
Nur Kinder hatten sie lange keine.
Dann geschah eines Morgens ein Wunder:
In der königlichen Familie erschien ein kleiner Hahn.
Kein gewöhnlicher Hahn.
Ein richtiger Prinz.
Kaum hatte er die Augen geöffnet, hob er den Kopf und rief:
„Kikeriki!“
Der König zuckte zusammen.
Die Königin lachte.
„Was für eine Stimme! Nun weiß das ganze Reich, wann unser Sohn aufwacht.“
Im nächsten Jahr kam ein zweiter Hahnprinz hinzu.
Dann ein dritter.
Dann ein vierter.
So verging die Zeit.
Am Ende lebten dreizehn Hahnprinzen im Palast.
Jeder hatte einen leuchtenden Kamm.
Jeder trug den Kopf hoch.
Und jeder war überzeugt, dass ausgerechnet seine Stimme die lauteste und schönste sei.
Am Morgen rief der Erste:
„Kikeriki! Ich habe die Sonne geweckt!“
Sofort antwortete der Zweite:
„Nein, ich!“
Der Dritte rief:
„Ihr seid beide zu spät. Ich wollte schon vorher krähen.“
„Wollen ist nicht krähen“, sagte der Vierte.
Schon begann der Streit.
Solange König und Königin noch regierten, konnten sie ihre Söhne meist beruhigen.
„Der Hof ist groß genug für alle“, sagte der König.
„Eine Stimme klingt nicht dadurch schöner, dass sie alle anderen übertönt“, ergänzte die Königin.
Doch die Hähne hörten nur halb zu.
Eines Tages rief der König seine Söhne in den Thronsaal.
„Irgendwann müsst ihr die Dinge des Hofes selbst regeln. Lernt also, miteinander zu beraten.“
„Das kann ich!“, rief der Erste.
„Ich besser!“, schrie der Zweite.
„Ich am besten!“, rief der Dritte.
Wenige Augenblicke später donnerten dreizehn Stimmen unter der Decke.
Der König rieb sich die Stirn.
„Ihr braucht offenbar noch viel Übung.“
Mit der Zeit übergaben die alten Herrscher ihren erwachsenen Söhnen immer mehr Aufgaben und zogen in ein ruhigeres Haus beim Garten.
Die dreizehn Hähne blieben im Palast zurück.
Schon am ersten Morgen stellte sich die große Frage:
„Wer ist hier der Wichtigste?“
„Ich“, sagte der Erste. „Ich bin der Älteste.“
„Aber ich bin der Lauteste!“, rief der Zweite.
„Und mein Kamm ist der Höchste“, sagte der Dritte.
„Mein Gefieder glänzt am schönsten“, sagte der Vierte.
„Ich habe gestern als Erster ein Korn gefunden“, rief der Fünfte.
Jeder fand einen Grund, warum gerade er der Beste sein sollte.
Zuerst veranstalteten sie einen Wettbewerb im Krähen.
Sie stellten sich auf die Mauer.
„Eins, zwei, drei!“
„KIKERIKIIII!“
Der Lärm war so groß, dass Tauben vom Dach aufflogen, ein Koch seinen Löffel fallen ließ und ein Wächter glaubte, ein Sturm ziehe auf.
„Ich habe gewonnen!“, riefen alle dreizehn gleichzeitig.
Dann wollten sie herausfinden, wer am höchsten springen konnte.
Danach, wer am schnellsten zum Tor lief.
Wer am würdevollsten durch den Hof ging.
Und schließlich, wessen Schatten länger war.
Dieser Wettbewerb war besonders schwierig, weil die Sonne wanderte und der Sieger sich alle paar Minuten änderte.
„Unfair!“
„Die Sonne ist schuld!“
Die Sonne antwortete natürlich nicht.
Schließlich wurde der Hof ihrer Wettbewerbe müde.
Da sagte der alte Gärtner:
„Wenn ihr wirklich wissen wollt, wer wichtig ist, findet lieber heraus, was jeder gut für den Hof tun kann.“
Der Erste begann morgens die Küche zu wecken.
Der Zweite achtete darauf, wann die Tore geöffnet wurden.
Der Dritte half den Gärtnern dabei, verstreutes Korn zu entdecken.
Der Vierte kontrollierte am Abend, ob alle Küken im Stall waren.
Auch für die anderen fanden sich Aufgaben.
Einige Tage war es erstaunlich ruhig.
Dann krähte eines Morgens der erste Hahn besonders schön.
Der zweite konnte nicht widerstehen.
„Ich kann das besser!“
„Dann versuch es!“
„Kikeriki!“
Der dritte kam heran.
„Geht zur Seite. So macht man es!“
Bald standen wieder mehrere Hähne auf der Mauer und versuchten, sich gegenseitig zu übertreffen.
Der Gärtner hörte den vertrauten Lärm und lächelte nur.
Seitdem, so sagt die Geschichte, haben Hähne ihre alte Gewohnheit nicht ganz vergessen.
Treffen sich zwei, richten sie sich auf, heben den Kamm und tun, als müsse genau heute endlich geklärt werden, wer der Wichtigste ist.
Doch in jedem lauten Kikeriki steckt auch eine kleine Erinnerung:
Wer unbedingt Erster sein will, kann so sehr mit dem Wettbewerb beschäftigt sein, dass er vergisst, wofür er überhaupt Erster sein wollte.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
