Cover: Warum Mücken an unseren Ohren summen

Philippinen

Warum Mücken an unseren Ohren summen

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Philippinen
Alter
4–8 Jahre
Dauer
6 Min.
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Warum Mücken an unseren Ohren summen

Als die Welt in den Geschichten noch jung war und Tiere einander leicht verstanden, lebte auf der Insel Bohol ein Krabbenkönig namens Mangla.

Mangla hatte starke Scheren.

Er ging würdevoll seitwärts.

Und er hatte eine sehr wichtige Gewohnheit:

Nach Sonnenuntergang wollte er schlafen.

„Ein König, der nicht ausgeschlafen ist, kann sehr dumme Befehle geben.“

Eines Abends war Mangla besonders müde.

Seine Augen fielen fast von selbst zu.

Er rief den alten Krebs Kaganga, der die Ordnung rund um seine Höhle überwachte.

„Kaganga, stell Wachen auf. Die kleinen Landkrabben sollen das Haus bewachen. Aber sage ihnen eines: Kein Lärm.“

„Wird gemacht.“

Die Wachen setzten sich an den Eingang.

Ganz still.

Mangla schlief ein.

Schnarch.

Schnarch.

In der Nacht begann es zu regnen.

Erst tropf.

Tropf.

Dann viel stärker.

Genau da kroch eine Schnecke namens Human über den Weg.

Natürlich trug sie ihr Haus auf dem Rücken.

Die kleinen Krabben sahen sie.

Sie kicherten.

„Schaut! Ein Haus geht spazieren!“

„Psst! Der König schläft!“

Zu spät.

Mangla wachte auf.

„Wer lacht vor meiner Tür?“

Die Wachen wurden still.

„Majestät, wir wollten Euch nicht wecken. Wir sahen nur eine Schnecke, die ihr Haus durch den Regen trägt.“

„Warum tat sie das?“

„Keine Ahnung.“

„Kaganga! Hol die Schnecke.“

Human kam.

„Warum trägst du nachts dein Haus durch den Regen?“

„In der Nähe flog ein Glühwürmchen mit Licht. Ich fürchtete, meine Unterkunft könnte Schaden nehmen. Deshalb behielt ich sie bei mir.“

Mangla kratzte sich mit der Schere am Panzer.

„Verständlich. Du kannst gehen. Kaganga, hol das Glühwürmchen.“

Bald flog Anipot herein.

Sein Licht flackerte.

„Warum hast du so nah an Humans Haus geleuchtet?“

„Ich wollte niemanden erschrecken. Aber der Moskito Lamok flog den ganzen Abend um mich herum und wollte mich stechen. Mit meinem Licht kann ich besser sehen, wo er ist.“

„Auch das ergibt Sinn. Kaganga, hol Lamok.“

Der alte Krebs machte sich auf den Weg.

Lamok hörte, dass der König ihn sehen wollte, und wurde nervös.

„Allein gehe ich nicht. Vielleicht passiert etwas. Fliegt in der Nähe mit.“

So kam er mit einer ganzen Gruppe Moskitos in der Umgebung der Höhle an.

Mangla war schläfrig und deshalb nicht besonders geduldig.

„Lamok, wegen dir trug das Glühwürmchen Licht. Wegen des Lichts trug die Schnecke ihr Haus. Wegen der Schnecke lachten die Wachen. Wegen ihres Lachens bin ich aufgewacht. Was sagst du dazu?“

Lamok summte nervös.

„Majestät, ich... ich bin nur herumgeflogen.“

„Und hast das Glühwürmchen gestört?“

„Nur ein kleines bisschen.“

„Ein fremdes kleines bisschen kann eine lange Reihe von Problemen auslösen. Du solltest lernen, Tiere in Ruhe zu lassen, die dich ebenfalls in Ruhe lassen.“

Lamok wurde kleinlaut.

Als Mangla streng mit den Scheren klackte, erschrak der Moskito.

„Oh nein!“

Aus Versehen landete er direkt auf der Nase des Königs.

Mangla sprang hoch.

„Runter von meiner Nase!“

Lamok flog auf.

„Entschuldigung!“

Er setzte sich auf die Stirn.

„Auch nicht dort!“

Lamok schoss zum Ohr.

„Und nicht da!“

Kaganga versuchte ihn zu fangen.

Lamok wich nach links aus.

Nach rechts.

Nach oben.

Nach unten.

Die anderen Moskitos hörten den Lärm und glaubten, Lamok müsse gerettet werden.

„Los!“

Sie summten um die Höhle.

Mangla war nun endgültig wach.

„Alle hinaus! Niemand fängt irgendwen. Geht nach Hause und beruhigt euch!“

Lamok flog sofort davon.

Kaganga ging ebenfalls heim.

Seine eigene Höhle war tief und schmal unter der Erde versteckt.

Die Moskitos wollten sie finden.

„Wir müssen mit Kaganga reden. Er soll unseren Lamok nicht mehr jagen.“

Sie suchten Loch um Loch.

„Nicht hier.“

„Hier lebt eine Ameise.“

„Dort ein Käfer.“

Aber Kaganga fanden sie nicht.

Da sah ein junger Moskito einen Menschen, der auf einer Veranda schlief.

Am Kopf des Menschen waren zwei kleine dunkle Öffnungen.

Die Ohren.

„Schaut! Da ist der Eingang zur Höhle. Dunkel, rund und schmal. Bestimmt versteckt sich Kaganga dort.“

Er flog direkt zum Ohr.

„Sssss! Kaganga! Bist du da?“

Der Mensch schlug mit der Hand.

„Verschwinde, Moskito!“

Der Moskito sprang zurück.

„Nicht Kaganga. Vielleicht ist er im zweiten Eingang.“

Und er flog zum anderen Ohr.

Sssss!

Seitdem, so erzählt die philippinische Geschichte, schwirren Moskitos an menschlichen Ohren herum.

Als suchten sie noch immer Kaganga und fragten:

„Ssssss... Bist du da?“

Wir antworten natürlich auf unsere Weise:

„Nein! Such woanders!“

Vielleicht verstehen die Moskitos es eines Tages.

Bis dahin hört man an Sommerabenden immer wieder das bekannte:

Ssssssss...

Und wenn man an diese Geschichte denkt, ist das Ärgern fast ein bisschen lustiger.

Denn alles begann mit einer Schnecke, einem Glühwürmchen, einem zu neugierigen Moskito und einem Krabbenkönig, der einfach nur schlafen wollte.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨