

Indien
Wie der Fuchs seine weiße Brust bekam
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Indien
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 7 Min.

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Wie der Fuchs seine weiße Brust bekam
Nahe beim Haus eines örtlichen Herrschers lebte ein Fuchs namens U Myrsiang.
Er hatte spitze Ohren, leichte Pfoten und ein Gesicht, auf dem ständig sieben neue Pläne zu entstehen schienen.
U Myrsiang wohnte in einer Höhle nicht weit von den Höfen der Menschen.
Tagsüber schlief er im Schatten.
Am Abend suchte er Futter.
Zuerst begnügte er sich mit dem, was er im Wald fand.
Später wurde er bequemer und begann, die Höfe der Menschen zu besuchen.
„Warum weit laufen, wenn das Abendessen direkt hinter einem Zaun lebt?“
Die Menschen waren wenig begeistert.
Sie verstärkten Zäune, schlossen Tore und stellten Wachen auf.
Doch U Myrsiang fand immer wieder ein Loch.
Mal kroch er unter einem Zaun durch.
Mal sprang er über Steine.
Mal wartete er, bis jemand wegsah.
Schließlich sagte der Herrscher:
„Genug. Wir fangen ihn, ohne dass jemand verletzt wird.“
Ein Diener stellte einen großen stabilen Käfig neben einen Hof.
Darin lagen einige duftende Leckerbissen.
Dann gingen alle weg.
In der Nacht kam U Myrsiang.
Schnuppern.
Schritt.
Noch ein Schnuppern.
„Etwas Neues. Sieht eigentlich gar nicht wie eine Falle aus.“
Er ging einmal um den Käfig.
Dann ein zweites Mal.
Dann ein drittes.
Schließlich steckte er die Nase hinein.
Es roch sehr gut.
„Ich schaue nur näher.“
Er trat hinein.
Klick!
Die Tür fiel zu.
„Das ist ungünstig.“
U Myrsiang drückte gegen das Gitter.
Er versuchte, eine Pfote zwischen die Stäbe zu schieben.
Er suchte unter dem Boden.
Nichts.
„Gut. Wenn die Pfoten nichts lösen, muss der Kopf arbeiten.“
Kurz vor Morgengrauen kam ein erschöpfter Reisender vorbei.
Nach einem Streit mit der örtlichen Obrigkeit hatte er seine Heimat verlassen und suchte einen Ort, an dem er neu anfangen konnte.
Er setzte sich neben den Käfig.
An seinem Hals hing ein kleines rundes Spiegelchen an einer Kette.
Fast das einzige schöne Ding, das er besaß.
Der Mann seufzte.
„Wenn ich hier nur Arbeit und ein Stück Land finden könnte. Aber niemand kennt mich.“
U Myrsiang stellte die Ohren auf.
„Freund, sei nicht traurig“, sagte der Fuchs aus der Dunkelheit.
Der Mann sprang auf.
„Wer spricht da?“
„Jemand, der dir helfen kann.“
Im Dunkeln erkannte der Reisende nicht sofort, mit wem er sprach.
„Warum bist du in einem Käfig?“
Der Fuchs erfand schnell eine Geschichte.
„Der Herrscher sucht einen Fremden für eine ehrenvolle Aufgabe. Ich wurde nur versehentlich festgehalten. Ich muss dringend zu meiner Familie zurück. Wenn du meinen Platz einnimmst, wird man dich am Morgen anhören. Dann kannst du um Erlaubnis bitten, hier zu leben.“
„Wirklich?“
„Sehe ich etwa aus wie jemand, der Geschichten erfindet?“
Wäre es heller gewesen, hätte der Mann wahrscheinlich das Lächeln des Fuchses gesehen.
Doch die Nacht war dunkel.
Und die Hoffnung auf ein neues Zuhause war groß.
Der Reisende öffnete den Käfig.
U Myrsiang schlüpfte hinaus und schloss die Tür hinter ihm.
„Danke für die Hilfe!“
In diesem Moment kam der Mond hinter einer Wolke hervor.
Der Mann sah endlich den roten Betrüger.
„Du bist ein Fuchs!“
„Ganz richtig. Und heute ein sehr freier Fuchs.“
Vor Überraschung fasste der Mann an sein Spiegelchen.
Es löste sich von der Kette und fiel zu Boden.
U Myrsiang schnappte es sich.
„Das nehme ich als Erinnerung.“
Dann verschwand er zwischen den Bäumen.
Am Morgen kamen die Diener.
Statt des Fuchses fanden sie einen Menschen im Käfig.
Der Reisende erzählte ehrlich, was geschehen war.
Der Herrscher schüttelte den Kopf.
„Der Fuchs hat dich getäuscht. Aber du hast nichts verschwiegen. Komm heraus. Wenn du hier ehrlich arbeiten möchtest, finden wir einen Platz für dich.“
Für den Reisenden endete die seltsame Nacht besser als erwartet.
U Myrsiang lief inzwischen immer weiter von den Häusern fort.
Das Spiegelchen trug er um den Hals.
Ab und zu blieb er stehen und betrachtete sich.
„Was für ein hübscher Fuchs! Klug, schnell und jetzt auch noch mit Schmuck.“
Am Abend kam er in einen stillen Teil des Waldes.
Dort lag im Gras ein großer Tiger.
U Myrsiang bemerkte ihn nicht.
Der Tiger sah den Fuchs.
„Das Abendessen kommt selbst.“
Er bereitete sich zum Sprung vor.
Da hörte U Myrsiang ein Rascheln und drehte sich um.
Der Spiegel auf seiner Brust schwang nach vorn.
Der Tiger sah darin plötzlich ein riesiges gestreiftes Gesicht.
Leuchtende Augen.
Scharfe Zähne.
Er erstarrte.
„Wer ist das?“
Er neigte den Kopf.
Das Gesicht im Spiegel neigte ebenfalls den Kopf.
Er wich zurück.
Das andere Wesen bewegte sich auch.
„Dieser Fuchs gefällt mir nicht“, murmelte der Tiger. „Er trägt einen zweiten Tiger auf der Brust.“
Ohne herausfinden zu wollen, was dahintersteckte, zog er sich in das Dickicht zurück.
U Myrsiang blinzelte.
„Seltsam. Tiger sind sonst nicht so schüchtern.“
Dann blickte er auf den Spiegel und verstand.
„Nützliche Sache!“
Von da an passte er besonders gut darauf auf.
Eines Tages verfolgten ihn Menschen, weil er wieder zu nahe an die Höfe gekommen war.
U Myrsiang lief zum Fluss.
„Durchs Wasser kommen sie nicht so schnell hinterher.“
Er sprang hinein.
Die Strömung war stark.
Das Wasser drehte ihn herum.
Es zog an der Kette.
Der Spiegel riss ab.
„Mein wunderbarer Schmuck!“
Doch schon blitzte er zwischen den Wellen und verschwand.
Der Fuchs erreichte das andere Ufer.
Er schüttelte sich und sah traurig zum Wasser.
Da bemerkte er etwas.
Dort, wo der runde Spiegel viele Tage sein Fell berührt hatte, war eine helle Stelle geblieben.
Weiß wie Mondlicht.
U Myrsiang drehte sich, um seine Brust sehen zu können.
„Der Spiegel ist fort, aber die Erinnerung bleibt.“
Seitdem, so sagt die alte Geschichte, tragen Füchse an der Brust ein helles Zeichen.
Es erinnert an eine Nacht, in der eine List einen Käfig öffnete, ein Spiegel einen Tiger erschreckte und ein Fluss den glänzenden Schmuck forttrug.
Und vielleicht erinnert es noch an etwas:
Klugheit kann aus Schwierigkeiten helfen.
Aber wer auf Kosten anderer trickst, wird oft sehr schnell von neuen Abenteuern gefunden.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
