

Ukraine
Wie der Maulwurf entstand
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Ukraine
- Alter
- 5–8 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Wie der Maulwurf entstand
In früheren Zeiten lebten zwei Bauern als Nachbarn nebeneinander. Einer war reich, der andere arm.
Eines Jahres beschlossen sie, ein gemeinsames Feld zu bestellen. Der Boden war überall gleich, sie säten am selben Tag, und der Regen fiel auf jede Furche gleichermaßen.
Als der Frühling kam, geschah jedoch etwas Merkwürdiges.
Auf der Hälfte des Feldes, die der arme Bauer bearbeitet hatte, standen kräftige grüne Halme in ordentlichen Reihen. Auf der anderen Hälfte blieb der Boden fast kahl.
Der reiche Mann ärgerte sich.
Er ging an der Grenze entlang, betrachtete die jungen Pflanzen des Nachbarn und wurde immer missmutiger.
Schließlich sagte er:
„Das ist mein Getreide. Du musst dich bei der Grenze geirrt haben.“
Der arme Bauer sah ihn erstaunt an.
„Wie sollte ich mich irren? Wir haben das Feld doch gemeinsam geteilt. Jeder hat auf seiner eigenen Hälfte gesät.“
„Nein“, beharrte der Reiche. „Der beste Teil der Ernte gehört mir.“
Sie stritten lange, doch keiner wollte nachgeben.
Da sagte der reiche Bauer:
„Komm morgen noch vor Sonnenaufgang. Das Feld selbst soll sagen, wem es gehört.“
Der arme Mann verstand nicht, was sein Nachbar damit meinte, stimmte aber zu.
Am Abend rief der Reiche seinen Sohn.
„Du hilfst mir, den Streit zu gewinnen“, sagte er.
Er grub neben der grünen Saat eine kleine Mulde, setzte seinen Sohn hinein und bedeckte ihn mit trockenem Gras, sodass niemand ihn sehen konnte.
„Wenn ich morgen frage: ‚Wem gehört dieses Feld?‘, antwortest du aus der Erde: ‚Dem reichen Bauern!‘ Dann werden alle glauben, der Boden selbst habe gesprochen.“
Dem Jungen gefiel der Plan nicht.
„Ist das denn ehrlich?“
„Widersprich nicht“, sagte der Vater. „Tu einfach, was ich dir sage.“
Noch vor Sonnenaufgang versammelten sich die Nachbarn am Feld.
Ein leichter Nebel lag über der Erde, und Tautropfen glänzten im Gras.
Der reiche Bauer trat vor und rief laut:
„Sag uns, Erde, wem gehört dieses grüne Feld?“
Plötzlich erklang unter dem trockenen Gras eine Stimme:
„Dem reichen Bauern! Dem reichen Bauern!“
Die Leute staunten.
Doch ein alter Wanderer, der gerade auf der Straße vorbeikam, blieb stehen und hörte genau hin.
„Das ist merkwürdig“, sagte er. „Ich bin viele Jahre durch die Welt gezogen, aber noch nie habe ich Erde mit einer Menschenstimme sprechen hören.“
Er trat näher, schob das trockene Gras beiseite und entdeckte den Jungen.
Nun verstanden alle, was geschehen war.
Der reiche Bauer wurde rot.
„Ich wollte doch nur beweisen, dass das Feld mir gehört …“
„Eine Lüge wird nicht zur Wahrheit, nur weil man sie unter der Erde versteckt“, antwortete der Wanderer.
Der Junge kletterte aus der Mulde und senkte den Kopf.
„Ich wusste, dass es nicht richtig war“, sagte er leise. „Aber ich habe gehorcht.“
An dieser Stelle beginnt in der alten Erzählung das Wunder.
Der Wanderer berührte den Boden mit seinem Stab.
„Wenn jemand so gern aus der Erde heraus spricht, soll er die Welt unter der Erde einmal richtig kennenlernen.“
Der Boden unter den Füßen des Jungen bewegte sich. Er wurde kleiner, an seinen Händen wuchsen kräftige Grabpfoten, seine Nase verlängerte sich, und seine Augen wurden winzig.
Einen Augenblick später saß vor den Menschen ein Maulwurf.
Er schnupperte überrascht, scharrte rasch Erde beiseite und verschwand im weichen Boden.
Die Leute sahen noch lange auf den kleinen Erdhügel, der sich langsam über das Feld bewegte.
Der reiche Bauer schämte sich für seine List und gab dem Nachbarn die Saat zurück, die diesem gehörte.
Der arme Mann hatte in jenem Jahr eine gute Ernte. Doch er prahlte nicht damit. Stattdessen gab er seinem Nachbarn etwas Saatgut, damit auch dieser im nächsten Frühling wieder säen konnte.
Seit jener Zeit, so erzählt man, lebt der Maulwurf unter der Erde. Er gräbt lange Gänge, meidet helles Sonnenlicht und schiebt immer wieder kleine Erdhaufen an die Oberfläche.
Und wenn früher jemand mitten auf einem Feld einen Maulwurfshügel sah, scherzten die Alten:
„Da erinnert uns die Erde wieder daran: Die Wahrheit sagt man besser im Licht, als dass man sie unter Stroh versteckt.“
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
