

Philippinen
Wie der Mond den Buso überlistete
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Philippinen
- Alter
- 6–10 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Wie der Mond den Buso überlistete
In alten Geschichten der Bagobo auf den Philippinen erzählt man von seltsamen Nachtwesen, den Buso.
Buso mochten Dunkelheit, Stille und Orte, an denen niemand Gäste erwartete. Sie kamen heraus, wenn in den Dörfern die Lichter erloschen und die Menschen schlafen gingen. Obwohl Buso sich selbst für sehr schlau hielten, waren sie erstaunlich leicht zu täuschen.
Besonders gut konnte das der Mond.
In einer Nacht stieg ein großer runder Mond über die Bäume und übergoss Dächer, Wege und Reisfelder mit silbernem Licht.
Alle Menschen schliefen bereits.
In den Häusern war es still. Niemand trug Wasser, niemand mahlte Korn, niemand redete am Feuer. Selbst die Hunde lagen mit den Köpfen auf den Pfoten.
Ein Buso schaute aus seinem dunklen Versteck und betrachtete die Erde.
„Merkwürdig“, murmelte er. „Wo sind denn alle?“
Er sah nach links.
Niemand.
Er sah nach rechts.
Auch niemand.
Da blickte er zum Himmel.
„Mond!“, rief der Buso. „Du sitzt so hoch und kannst weit sehen. Wo sind die Menschen?“
Der Mond wusste natürlich, dass die Menschen einfach schliefen. Er wusste aber auch, dass es besser war, den Buso vom Dorf fernzuhalten.
Also setzte er ein sehr ernstes Gesicht auf.
„Menschen? Welche Menschen? Auf der Erde ist gerade niemand.“
Der Buso riss die Augen auf.
„Überhaupt niemand?“
„Niemand“, bestätigte der Mond. „Du kannst so lange suchen, wie du möchtest.“
Der Buso rieb sich die Hände.
„Sehr gut! Dann kann mich niemand stören, während ich überall herumschnüffle.“
Der Mond sagte nichts. Nur sein Lächeln verschwand kurz hinter einer dünnen Wolke.
Bis zum Morgen lief der Buso über leere Wege, schaute hinter Bäume und lauschte.
Doch sobald die Sonne aufging, änderte sich alles.
Aus den Häusern kamen Menschen. Jemand trug einen Korb, jemand holte Wasser, Kinder liefen hinaus. Unter einem Reistopf stieg Rauch auf. Auf einem Hof wurde gelacht, und irgendwo krähte ein Hahn.
Der Buso stand mitten auf dem Weg und blinzelte verwirrt.
Da stieg die Sonne über den Hügel.
„Sonne!“, rief der Buso. „Was ist hier los? Der Mond hat gesagt, auf der Erde gäbe es keine Menschen!“
Die Sonne sah hinunter.
„Wie bitte, keine Menschen? Da sind sie doch. Sie arbeiten, spielen, kochen Reis und kümmern sich um ihre Häuser. Alles wie immer.“
Der Buso stampfte mit dem Fuß.
„Dann hat der Mond mich ausgetrickst!“
Den ganzen Tag war er wütend.
Am Abend, als die Sonne verschwunden und der Mond wieder über der Erde stand, wartete der Buso bereits.
„Mond!“, rief er. „Gestern hast du mich belogen.“
„Wirklich?“, fragte der Mond unschuldig.
„Natürlich! Am Morgen waren die Menschen alle wieder da.“
Der Mond betrachtete die dunkle Erde. In den Dörfern verstummten die Stimmen, Lichter gingen aus, Türen schlossen sich.
„Seltsam“, sagte der Mond langsam. „Im Moment sehe ich schon wieder niemanden.“
Der Buso drehte sich schnell um.
Tatsächlich waren die Wege leer, die Felder still und die Höfe dunkel.
„Vielleicht sind sie diesmal wirklich verschwunden?“, fragte er unsicher.
„Wer weiß“, antwortete der Mond. „Du kannst nachsehen.“
Wieder suchte der Buso die ganze Nacht rund um das Dorf.
Am Morgen erschien die Sonne.
Und wieder rannten Kinder hinaus.
Und wieder begannen die Erwachsenen ihre Arbeit.
Und wieder duftete frisch gekochter Reis.
Der Buso fasste sich an den Kopf.
„Schon wieder!“
Die Sonne lachte.
„Vielleicht solltest du aufhören, alles zu glauben, was man dir nachts erzählt.“
Doch der Buso war stur.
Am nächsten Abend kam er wieder zum Mond.
Und am Abend danach.
Und am nächsten.
Jede Nacht fragte er:
„Wo sind die Menschen?“
Und der Mond antwortete:
„Ich sehe keinen einzigen. Wahrscheinlich sind alle verschwunden.“
Jeden Morgen zeigte die Sonne ihm ein völlig anderes Bild: ein lebendiges Dorf, Kinderlachen, Arbeit, Feuer unter den Töpfen und Menschen, die ruhig einen neuen Tag begannen.
Man erzählt, so gehe es bis heute weiter.
Wenn die Nacht über die Erde kommt und alle schlafen, schaut der Buso auf die stillen Wege und kann einfach nicht verstehen, wo die Menschen geblieben sind.
Der Mond hängt hoch oben, leuchtet silbern und schweigt.
Vielleicht führt er den Buso wieder an der Nase herum.
Vielleicht kennt er aber auch nur eine einfache Wahrheit, die der Buso niemals begreifen will:
Nur weil es still ist, bedeutet das noch lange nicht, dass niemand da ist.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
