Cover: Goldlöckchen und die drei Bären

Vereinigtes Königreich

Goldlöckchen und die drei Bären

Bären, Zuhause, Neugier

Land
Vereinigtes Königreich
Alter
3–6 Jahre
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Goldlöckchen und die drei Bären

Am Waldrand lebten in einem gemütlichen Holzhaus drei Bären.

Vater Bär war groß und hatte eine tiefe Stimme.

„Guten Morgen!“, brummte er so laut, dass die Tassen im Regal leise klirrten.

Mutter Bär war mittelgroß und sprach ruhig und freundlich.

Ihr Kind, der kleine Bär, war noch ganz winzig. Seine Stimme klang hell und fröhlich.

Jeder hatte seine eigene Schüssel, seinen eigenen Stuhl und sein eigenes Bett.

Vater Bär hatte eine große Schüssel, einen großen stabilen Stuhl und ein großes Bett.

Bei Mutter Bär war alles mittelgroß.

Und der kleine Bär hatte ein kleines Schüsselchen, einen kleinen Stuhl und ein kleines gemütliches Bett.

Eines Morgens kochte Mutter Bär Haferbrei.

„Das Frühstück ist fertig!“, rief sie.

Die drei Bären setzten sich an den Tisch, doch der Brei war noch viel zu heiß.

„Während er abkühlt, könnten wir im Wald spazieren gehen“, schlug Vater Bär vor.

„Eine wunderbare Idee“, stimmte Mutter Bär zu.

„Und ich schaue nach, ob die Brombeeren schon reif sind!“, freute sich der kleine Bär.

Die Bären schlossen die Tür und gingen den Pfad zwischen den Kiefern entlang.

Am selben Morgen spazierte in der Nähe ein Mädchen mit goldenen Haaren. Zu Hause nannte man es liebevoll Goldlöckchen.

Sie bewunderte die Schmetterlinge, sammelte gelbe Blätter und war so begeistert vom Wald, dass sie gar nicht bemerkte, wie sie den vertrauten Weg verließ.

„Ich glaube, ich bin ein bisschen weiter gegangen, als ich vorhatte“, sagte sie zu sich.

Bald entdeckte Goldlöckchen zwischen den Bäumen ein kleines Haus.

„Vielleicht kann mir hier jemand den Weg nach Hause zeigen?“

Sie ging zur Tür und klopfte.

Klopf, klopf, klopf.

Niemand antwortete.

Sie klopfte noch einmal.

Stille.

Goldlöckchen drückte die Klinke hinunter. Die Tür ging auf.

„Guten Tag! Ist jemand zu Hause?“, rief sie.

Niemand meldete sich.

Es wäre besser gewesen, draußen zu warten. Aber aus dem Haus duftete es so lecker nach Haferbrei, und nach ihrem Spaziergang hatte Goldlöckchen einen gewaltigen Hunger.

Auf dem Tisch standen drei Schüsseln.

Sie kostete den Brei aus der großen Schüssel.

„Au, der ist noch heiß!“

Dann probierte sie aus der mittleren.

„Und der ist schon fast kalt.“

Schließlich nahm sie den kleinen Löffel und kostete den Brei des kleinen Bären.

„Genau richtig!“

Goldlöckchen wollte nur einen Löffel essen. Dann noch einen. Und noch einen …

Plötzlich sah sie, dass das kleine Schüsselchen leer war.

„Oh“, flüsterte sie. „Ich hätte erst fragen sollen.“

Nach dem Essen wollte das Mädchen sich ausruhen.

Sie setzte sich in Vater Bärs großen Sessel.

„Zu hart und zu groß.“

Dann wechselte sie auf Mutter Bärs Stuhl.

„Zu weich.“

Danach setzte sie sich auf den kleinen Stuhl des Bärenkindes.

„Der ist genau richtig!“

Sie machte es sich bequem, kippelte aber zu stark.

Knarr!

Ein Stuhlbein löste sich aus seiner Verbindung, und Goldlöckchen landete auf dem Teppich.

„Oje!“, erschrak sie. „Jetzt muss ich den Bewohnern unbedingt alles erklären.“

Doch während sie wartete, fielen ihr die Augen zu.

Das Mädchen ging nach oben und entdeckte drei Betten.

Das große Bett war ihr zu hoch und zu hart.

Das mittlere war zu weich.

Das kleine Bett des Bärenkindes schien aber so gemütlich, dass Goldlöckchen sich nur für ein Minütchen hinlegte … und einschlief.

Inzwischen kamen die drei Bären nach Hause.

Vater Bär schaute in seine Schüssel.

„Jemand hat von meinem Brei gegessen!“, brummte er.

Mutter Bär sah in ihre Schüssel.

„Von meinem hat auch jemand gekostet.“

Der kleine Bär schaute in sein Schüsselchen.

„Und meinen Brei hat jemand ganz aufgegessen!“

Erstaunt sahen die Bären einander an.

Dann bemerkte Vater Bär den Sessel.

„Jemand hat auf meinem Platz gesessen.“

„Und auf meinem“, sagte Mutter Bär.

Der kleine Bär lief zu seinem Stuhl.

„Und mein Stuhl ist kaputt!“

Jetzt wurden alle drei misstrauisch.

„Wir müssen das Haus durchsuchen“, sagte Vater Bär.

Sie gingen nach oben.

„Jemand hat in meinem Bett gelegen“, bemerkte Vater Bär.

„Und in meinem auch“, sagte Mutter Bär.

Der kleine Bär trat an sein Bett und flüsterte:

„Und in meinem … schläft jemand!“

Goldlöckchen öffnete die Augen.

Vor ihr standen drei Bären.

Sie sprang auf, doch Vater Bär hob sofort eine Pfote.

„Hab keine Angst. Wir wollen dich nicht erschrecken. Wir möchten nur wissen, warum du in unserem Haus bist.“

Goldlöckchen wurde rot.

„Ich habe mich verirrt. Ich habe geklopft, aber niemand hat geantwortet. Dann bin ich hineingegangen … und habe alles falsch gemacht. Ich habe den Brei des kleinen Bären aufgegessen, mich auf seinen Stuhl gesetzt und ein Bein abgebrochen. Ich schäme mich sehr.“

Der kleine Bär zog ein finsteres Gesicht.

„Das war meine Lieblingsschüssel voller Brei.“

„Ich weiß“, sagte Goldlöckchen. „Ich kann helfen, neuen Brei zu kochen. Und den Stuhl zu reparieren, wenn ihr mir zeigt, wie es geht.“

Mutter Bär lächelte.

„Eine Entschuldigung ist ein guter Anfang.“

Vater Bär holte einen kleinen Holzdübel und einen Hammer. Gemeinsam setzten sie das Stuhlbein wieder ein.

Klopf. Klopf. Klopf.

Der kleine Bär prüfte den Stuhl.

„Er hält!“

Dann füllte Mutter Bär frischen Brei in die kleine Schüssel. Goldlöckchen half, die Löffel zu verteilen und den Tisch aufzuräumen.

„Beim nächsten Mal“, sagte Vater Bär, „musst du auf einen Bewohner oder einen Erwachsenen warten, auch wenn die Tür offen ist.“

„Versprochen“, antwortete das Mädchen.

Danach begleiteten die Bären sie zu dem vertrauten Waldpfad.

„Erkennst du von hier aus den Weg?“, fragte Mutter Bär.

„Ja. Vielen Dank!“

Der kleine Bär winkte mit seiner Pfote.

„Komm wieder. Aber klopf diesmal und warte auf uns!“

Goldlöckchen lachte.

„Und ich bringe Honigbrötchen zum Tee mit.“

Glücklich kehrte sie nach Hause zurück. Nie wieder vergaß sie: Neugier kann zu Abenteuern führen. Doch für das Zuhause, die Sachen und das Essen anderer braucht man immer deren Erlaubnis.

Die drei Bären saßen an diesem Abend an ihrem Tisch, aßen warmen Haferbrei und freuten sich darüber, dass selbst aus einem unangenehmen Erlebnis eine neue Freundschaft entstehen konnte.